Wiederholte Lust?

„Das Ziel alles Lebens ist der Tod, und zurückgreifend: Das Leblose war früher da als das Lebende.“ Eros und Thanatos, Lebenslust und Todestrieb. Mit der Schrift „Jenseits des Lustprinzips“, erschienen 1920, revidiert Freud zum Teil seine früheren Thesen, seelische Vorgänge würden durch das Lust- und das Realitätsprinzip reguliert.

In seiner zweiten Triebtheorie modifiziert Freud dies. Er bemerkt, dass gewisse Unlusterfahrungen hartnäckig wiederholt werden. Er definiert dies als Wiederholungszwang.

Der Wiederholungszwang setzt sich unter dem Einfluss des Todestriebs über das Lustprinzip hinweg. Das sich Wiederholende nimmt einen fast dämonischen Charakter an, als ob man den wiederholten Erlebnissen unausweichlich ausgeliefert sei. Dies trifft in der Realität aber nicht zu. Was sich wiederholt, sind unterdrückte, unlustvolle, frühe Erinnerungen, die durch wiederholte Handlungen und Beziehungsmuster immer wieder wachgerufen werden.

Mit psychoanalytischem Verständnis erkennt man, dass diese sich wiederholenden Schicksalsschläge „vom Anfang an … zum großen Teil selbstbereitet und durch frühinfantile Einflüsse determiniert (sind).“ (1920)

Damit schafft Freud den scheinbaren Widerspruch ab: Das Lustprinzip steht sowohl im Dienst der Todestriebe als auch der Lebenstriebe. Es hat das primäre Interesse, das Erregungsniveau konstant zu halten.

Die Todestriebe zielen darauf ab, das Leben in einen leblosen Zustand zurückzuführen (das Leblose war früher da als das Lebende). Für Freud sind die „Todestriebe im Wesentlichen stumm und der Lärm des Lebens geht meist vom Eros aus.“

Freud betrachtete Leiden und lusthaftes Leben als ständigen Kampf zwischen Eros und Thanatos, zwischen Streben nach Einheit mit dem Anderen (und zugleich nach Auflösung dieser Einheit oder Vereinigungen) und einem Drang zum Rückgängigmachen.

Freud: „Nur das Zusammen- und Gegeneinanderwirken beider Urtriebe Eros und Todestrieb erklärt die Buntheit der Lebenserscheinungen, niemals einer von ihnen allein.“ (1937)

Nach langem Zögern und Schwanken haben wir uns entschlossen, nur zwei Grundtriebe anzunehmen, den Eros und den Destruktionstrieb … Das Ziel des ersten ist, immer grössere Einheiten herzustellen und so zu erhalten, also Bindung, das Ziel des anderen im Gegenteil, Zusammenhänge aufzulösen und so die Dinge zu zerstören. Beim Destruktionstrieb können wir daran denken, dass als sein letztes Ziel erscheint, das Lebende in den anorganischen Zustand zu überführen. Wir heissen ihn darum auch Todestrieb.

Wir müssen den Eindruck gewinnen, dass die Todestriebe im wesentlichen stumm sind und der Lärm des Lebens meist vom Eros ausgeht.

Das Ziel alles Lebens ist der Tod, und zurückgreifend: Das Leblose war früher da als das Lebende

Der Mensch ist eben ein „unermüdlicher Lustsucher“.

Der Todestrieb wird zum Destruktionstrieb, indem er mit Hilfe besonderer Organe nach außen, gegen die Objekte, gewendet wird. Das Lebewesen bewahrt sozusagen sein eigenes Leben dadurch, daß es fremdes zerstört.