Die gestörte Logik der Hysterie

Für Freud ist – im Gegensatz zu landläufigen Meinungen – die Hysterie eine Form der Bewusstseinsspaltung und keine organische Krankheit. Die Hysterie verdeutlicht für ihn die seelische Trennung zwischen Bewusstsein und Unbewusst-Sein. Der Hysteriker demonstriert, wie jedes Individuum in „mehreren seelischen Gruppierungen“ lebt, die „voneinander nichts wissen und das Bewusstsein alternierend an sich reißen.“ (1910)

Es gibt demnach keine Einheit von bewussten und unbewussten Gedanken und Vorgängen. Der Mensch ist a priori ein gespaltener.

Für Freud sind hysterische Symptome Belege für frühere traumatische Erlebnisse, die durch körperliche Umwandlungen (Konversionen) sich entäußern. Hysterische Symptome verweisen auf einen Kern von unbewussten, frühen sexuellen Wünschen und Phantasien, die unterdrückt wurden, aber weiterhin im Unbewussten herrschen und nach Ausdruck drängen. Unvereinbare Wünsche agieren wie Fremdkörper und müssen aus dem Bewusstsein verbannt werden. Sie kehren zurück als hysterische Symptome, gewissermaßen als Denkmale (Monumente) von leidenschaftlichen und verbotenen Wünschen.

Nun aber sind Hysteriker die „wahrhaftigsten Historiker“, weil sie sich nicht davon abhalten lassen, verpönte, sozial angefochtene und verbotene Wahrheiten immer wieder zu entäußern.

Das Gespräch – talking cure – ist für Freud das wesentliche Instrument, Hysterien freizulegen und zu analysieren: In der freien Assoziation lassen sich körperliche Symptome durch Sprechen heilen. Bis heute ist die freie Assoziation wesentliches Element der Psychoanalyse geblieben. Kraft ihrer wurden viele körperliche Leiden durch Sprechen in der Übertragungsbeziehung zum Analytiker erfolgreich therapiert. Freuds eigene Einschätzung war viel bescheidener. Er beschränkte sich auf das folgende therapeutische Ziel: „Ich zweifle ja nicht, daß es dem Schicksale leichter fallen müßte als mir, Ihr Leiden zu beheben; aber Sie werden sich überzeugen, daß viel damit gewonnen ist, wenn es uns gelingt, Ihr hysterisches Elend in gemeines Unglück zu verwandeln.“ (1895)

Die Psychoanalyse war vor allem eine Deutungskunst.

Ich bin nicht immer Psychotherapeut gewesen, sondern bin bei Lokaldiagnosen und Elektroprognostik erzogen worden wie andere Neuropathologen, und es berührt mich selbst noch eigentümlich, daß die Krankengeschichten, die ich schreibe, wie Novellen zu lesen sind, und daß sie sozusagen des ernsten Gepräges der Wissenschaftlichkeit entbehren. Ich muß mich damit trösten, daß für dieses Ergebnis die Natur des Gegenstandes offenbar eher verantwortlich zu machen ist als meine Vorliebe; Lokaldiagnostik und elektrische Reaktionen kommen bei dem Studium der Hysterie eben nicht zur Geltung, während eine eingehende Darstellung der seelischen Vorgänge, wie man sie vom Dichter zu erhalten gewohnt ist, mir gestattet, bei Anwendung einiger weniger psychologischer Formeln doch eine Art von Einsicht in den Hergang einer Hysterie zu gewinnen.

Was man von uns verlangt, ist doch nichts anderes, als daß wir den Sexualtrieb verleugnen. Bekennen wir ihn also.

Der Hysteriker wiederholt in seinen Anfällen und fixiert durch seine Symptome Erlebnisse, die sich nur in seiner Phantasie so zugetragen haben, allerdings in letzter Auflösung auf wirkliche Ereignisse zurückgehen oder aus solchen aufgebaut worden sind.

Nicht der Traum allein ist eine Wunscherfüllung, auch der hysterische Anfall.

Die Hysterischen leiden großenteils an Reminiszenzen.

Der Sadismus gehörte doch offenbar zum Sexualleben, das grausame Spiel konnte das zärtliche ersetzen.

Ein jeder muß selbst versuchen, auf welche besondere Fasson er selig werden kann.