Wo Es war, soll Ich werden

Pferd, Reiter, Reitlehrer – mit diesem Bild hat der sprachgewandte Sigmund Freud sein Modell des psychischen Apparates eindrucksvoll beschrieben: das Es als wildes ungezähmtes Pferd, das Über-Ich als Reitlehrer, die moralische Instanz, und das Ich als Reiter, der lernen muss, das Pferd zu beherrschen; unter Anleitung des Reitlehrers.

Für Freud beginnt die Psyche ihre Entwicklung als triebhaftes, lustvoll ungebändigtes Es, aus dem sich in der Auseinandersetzung mit der Umwelt das Ich entwickelt. Das Über-Ich ist für Freud eine Abspaltung des Ich, das die Verinnerlichung der elterlichen Macht und die der von ihnen gesetzten Normen und Moralität darstellt. Obwohl das Ich zum Teil auch von unbewussten Kräften beherrscht wird, bleibt es doch die Instanz, die versucht, den Anforderungen des strengen Über-Ich – dem Gewissen – nachzukommen und jene mit den Leidenschaften des Es auszugleichen.

Freud: „Während das Ich wesentlich Repräsentant der Außenwelt, der Realität ist, tritt ihm das Über-Ich als Anwalt der Innenwelt, des Es, gegenüber.“(1923)

Unsere Kultur ist ganz allgemein auf der Unterdrückung von Trieben aufgebaut.

Der Mensch ist eben ein „unermüdlicher Lustsucher“.

Die Spannung zwischen dem gestrengen Über-Ich und dem ihm unterworfenen Ich heißen wir Schuldbewusstsein; sie äußert sich als Strafbedürfnis.

Der Übergang vom Lust- zum Realitätsprinzip ist einer der wichtigsten Fortschritte in der Entwicklung des Ichs.

Realität – Wunscherfüllung, aus diesen Gegensätzen sprießt unser psychisches Leben.

Unsauberkeit jeder Art scheint uns mit Kultur unvereinbar;

Die Ethik ist also als ein therapeutischer Versuch aufzufassen, als Bemühung, durch ein Gebot des Über-Ichs zu erreichen, was bisher durch sonstige Kulturarbeit nicht zu erreichen war.

Wir Menschen fußen auf unserer tierischen Natur, wir werden nie göttergleich werden können. Die Erde ist ein kleiner Planet, eignet sich nicht zum „Himmel“.

Glück ist die nachträgliche Erfüllung eines prähistorischen Wunsches.

Die Psychoanalyse ist ein Werkzeug, welches dem Ich die fortschreitende Eroberung des Es ermöglichen soll.

Es sieht so aus, als hätte die Welt auch uns Erwachsene nicht ganz, nur zu zwei Dritteilen; zu einem Drittel sind wir überhaupt noch ungeboren. Jedes Erwachen am Morgen ist dann wie eine neue Geburt. Wir sprechen auch von Zustand nach dem Schlaf mit den Worten: wir sind wie neugeboren, wobei wir über das Allgemeingefühl des Neugeborenen eine wahrscheinlich sehr falsche Voraussetzung machen. Es ist anzunehmen, daß dieser sich vielmehr sehr unbehaglich fühlt. Wir sagen auch vom Geborenwerden: das Licht der Welt erblicken.