Persönlichkeiten und Patienten

Persönlichkeiten im Umfeld Freud

Carl Gustav Jung

C. G. Jung © Sigmund Freud Privatstiftung
C. G. Jung © Sigmund Freud Privatstiftung

*26.7.1875 Kesswil/Schweiz, † 06.06.1961

Carl Gustav Jung war Sigmund Freuds Schüler und gilt als der Begründer der Komplexen oder Analytischen Psychologie. Oft wird er auch als „Mystiker unter den Vätern der Psychoanalyse“ bezeichnet. Der schweizerische Psychiater war neben Sigmund Freud und Alfred Adler einer der Begründer der Tiefenpsychologie. Er wandte sich gegen Freuds Auffassung, dass die kindliche Sexualität die Quelle der Libido sei und stellte den generellen Willen zur Liebe heraus.

Alfred Adler

Alfred Adler © Sigmund Freud Privatstiftung
Alfred Adler © Sigmund Freud Privatstiftung

*07.02.1870 Wien, †28.05.1937 Aberdeen

Adler gilt als der Begründer der Individualpsychologie. Von 1902-1911 war er Mitarbeiter und Mitstreiter von Sigmund Freud, entwickelte sich dann jedoch zum Kritiker und Gegner der von Freud ausgearbeiteten Psychoanalyse. Er war einer der Mitbegründer der „Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft“, aus der er als erster wieder austrat und dann den Verein der Individualpsychologie gründete.

Ernest Jones

Ernest Jones © Sigmund Freud Privatstiftung
Ernest Jones © Sigmund Freud Privatstiftung

*01.01.1879 Wales, †01.02.1958 London

Jones wurde zum „offiziellen Biographen“ Freuds. Er gilt als Begründer des „Freud’schen geheimen Komitees“. 1910 gründete er die Amerikanische Psychopathologische Vereinigung, ein Jahr später die Amerikanische Psychoanalytische Vereinigung. Sein Schwerpunkt lag in der psychoanalytischen Symboltheorie. Jones und Freud waren lebenslange Freunde. Jones hielt auch die Grabrede bei Freuds Beerdigung.

Otto Rank

Otto Rank © Sigmund Freud Privatstiftung
Otto Rank © Sigmund Freud Privatstiftung

*22.04.1881 Wien,†31.10.1939 New York

Er entwickelte die Theorie des Geburtstraumas, wonach das Kind die eigene Geburt als Schock erlebt und dessen Nichtverarbeitung psychologische Folgen habe.

Josef Breuer

*15.01.1842 Wien, †20.06.1925 Wien

Breuer entwickelte eine neue Gesprächstherapie für die Hysteriebehandlung, bei der die Symptome zum Verschwinden gebracht wurden, wenn durch das Erinnern ihres Anlasses bzw. ihres erstmaligen Auftretens die begleitenden Affekte abreagiert wurden. Mit Sigmund Freud verfasste er die Veröffentlichungen „Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene“(1893) und „Studien über Hysterie“ (1895), danach beendeten sie ihre Zusammenarbeit.

Mathilde und Josef Breuer © Sigmund Freud Copyrights, Ltd., Wivenhoe
Mathilde und Josef Breuer © Sigmund Freud Copyrights, Ltd., Wivenhoe

Marie Bonaparte

Marie Bonaparte © Sigmund Freud Privatstiftung
Marie Bonaparte © Sigmund Freud Privatstiftung

*02.07.1882 St.-Cloud,†21.09.1962 Cassis/Frankreich

Marie Bonaparte war die Urgroßenkelin Lucien Bonapartes, des Bruders Napoléon Bonapartes. 1925 suchte sie Sigmund Freud in Wien auf und begann eine Analyse. Nach ihrer Rückkehr nach Paris im Jahr 1926 beschloss sie, sich ausschließlich der Psychoanalyse zu widmen und sich für deren Verbreitung einzusetzen. 1938 gelang es ihr mit Hilfe des amerikanischen Botschafters W. C. Bullit, Freud ein Ausreisevisum aus dem besetzten Österreich zu verschaffen und dann seine Niederlassung in London zu ermöglichen. Neben der Übersetzung zahlreicher Arbeiten von Freud schuf sie selbst ein beachtliches Werk, unter anderem veröffentlichte sie Werke über Edgar Allen Poe, die Triebtheorie und die weibliche Sexualität.

Anna Freud

Anna Freud © IMAGNO/Sigmund Freud Privatstiftung
Anna Freud © IMAGNO/Sigmund Freud Privatstiftung

*03.12.1895 Wien, †08.10.1982 London

Anna Freud war Sigmund Freuds jüngste Tochter. Sie absolvierte ihre Lehranalyse bei ihrem Vater und wurde selbst als Analytikerin tätig. Ihre Arbeiten konzentrieren sich vor allem auf Kinder. Sie gilt neben Melanie Klein als Mitbegründerin der Kinderanalyse.

Helene Deutsch

Helene Deutsch © Sigmund Freud Privatstiftung
Helene Deutsch © Sigmund Freud Privatstiftung

*09.10.1884 Przemysl/Galizien, †29.03.1982 Cambridge

Helene Deutsch (geborene Rosenbach) war Sigmund Freuds Assistentin und wurde sehr von ihm geprägt. Ihre Spezialgebiete waren die Psychologie der Frau und die weibliche Sexualität. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit war Helene Deutsch auch politische Aktivistin und Frauenrechtlerin.

Melanie Klein

Melanie Klein © Sigmund Freud Privatstiftung
Melanie Klein © Sigmund Freud Privatstiftung

*30.03.1882 Wien, †22.09.1960 London

Melanie Klein war gebürtige Ungarin. Ihre Lehranalytiker und Mentoren waren Sándor Ferenczi und Karl Abraham. In der Theorie revolutionierte Klein die Freud’sche Lehre des Ödipuskomplexes, indem sie entscheidende Momente, wie die Bildung von Schuldgefühlen und eines Über-Ichs weit früher ansetzte, als Freud dies tat.

Die psychoanalytische Vereinigung

Das Komitee: sitzend (v.l.n.r.) Sigmund Freud, Sándor Ferenczi, Hanns Sachs. Stehend (v.l.n.r.) Otto Rank, Karl Abraham, Max Eitingon, Ernest Jones, 1922, © Sigmund Freud Privatstiftung
Das Komitee: sitzend (v.l.n.r.) Sigmund Freud, Sándor Ferenczi, Hanns Sachs. Stehend (v.l.n.r.) Otto Rank, Karl Abraham, Max Eitingon, Ernest Jones, 1922, © Sigmund Freud Privatstiftung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trafen sich in der Berggasse Persönlichkeiten, die sich mit Freuds Theorien und seiner praktischen Erfahrung auseinandersetzten. Die „Mittwoch-Runden“ waren die Vorläufer der „Psychoanalytischen Vereinigung“, die bis heute noch existiert. Die ersten Mitglieder waren heute anerkannte Forscher wie Alfred Adler, Wilhelm Stekel, Paul Federn, Eduard Hitschmann und Ernest Jones. Im April 1906 fand der erste „Congress für Freud’sche Psychologie“ statt, den C. G. Jung organisierte, mit dem sich Freud später entzweien sollte.

Infolge wurden regelmäßig psychoanalytische Kongresse veranstaltet, in vielen Ländern wurden psychoanalytische Gesellschaften gegründet. Bezeichnend für den Widerspruchsgeist Freuds ist, dass sich im Laufe der Zeit zahlreiche seiner Anhänger von ihm abwandten, weil sie seinen Theorien nicht folgen wollten und eigene wissenschaftliche und analytische Wege gingen.

Weimarer Kongress, 3. Psychoanalytischer Kongress, 1911, © Sigmund Freud Copyrights, Ltd., Wivenhoe
Weimarer Kongress, 3. Psychoanalytischer Kongress, 1911, © Sigmund Freud Copyrights, Ltd., Wivenhoe

Patienten und Fälle

Ida (Dora) Bauer mit Bruder Otto © Sigmund Freud Privatstiftung
Ida (Dora) Bauer mit Bruder Otto © Sigmund Freud Privatstiftung

Dora

Die achtzehnjährige Dora litt unter anderem an nervösem Husten, asthmatischen Symptomen und gelegentlichem Stimmverlust. Doras Eltern führten eine eher unglückliche Ehe. Der Vater hatte eine Geliebte, deren Mann versucht hatte, Dora zu verführen. Dora hatte ihn zwar abgewiesen, doch hatte sie ein unterdrücktes sexuelles Verlangen nach ihm, ihrem eigenen Vater und dessen Geliebter. Diese komplizierte Konstellation rekonstruierte Freud aufgrund zweier Träume seiner Patientin, die er gemeinsam mit ihr deutete.

Der Rattenmann

Manuscript „Rattenmann“ © The Library of Congress, Washington, D.C.
Manuscript „Rattenmann“ © The Library of Congress, Washington, D.C.

Von Oktober 1907 bis Jänner 1908 behandelte Freud einen 29 Jahre alten Wiener Juristen (Ernst Lanzer). Dieser litt seit seiner Kindheit unter Zwangsvorstellungen, die sich in den letzten Jahren verschlimmert hatten. Er befürchtete, dass seinem Vater und einer Dame, die er sehr verehrte, etwas Schlimmes zustoßen könnte. Freud fand heraus, dass die Zwangsvorstellungen eingesetzt hatten, nachdem ein Offizier dem Patienten erzählt hatte, dass es im Orient eine übliche Strafe sei, einem Mann einen Topf mit lebenden Ratten an das Gesäß zu binden. Der Patient befürchtete nun, sein Vater – der allerdings schon tot war – und die von ihm verehrte Dame könnten dieser Rattentortour ausgesetzt werden.

In dieser Angst sieht Freud die Kehrseite eines Todeswunsches gegen den Vater, der das Kind geschlagen hatte und durch den sich der Patient in seiner sexuellen Entwicklung beeinträchtigt sah. Nach wenigen Behandlungsmonaten hatte sich die Vorstellung von der „Rattenstrafe“ aufgelöst.

Der Wolfsmann

Sergius Pankejeff mit Frau, 1910, © The Library of Congress, Washington, D.C.
Sergius Pankejeff mit Frau, 1910, © The Library of Congress, Washington, D.C.

Der 23-jährige Russe Sergius Pankejeff galt nach Jahren erfolgloser Behandlung in verschiedenen europäischen Krankenhäusern als aussichtsloser Fall. Freud gab seinem Patienten den einprägsamen Titel „Wolfsmann“, weil er als kleiner Junge träumte, weiße Wölfe säßen auf dem Baum vor seinem Fenster und wollten ihn auffressen. An dieser Wolfsphobie litt er sechs Jahre. Freud führte die früheren Störungen auf eine Verführung durch die Schwester im Kindesalter und auf die Tatsache, dass er mit anderthalb Jahren seine Eltern beim Geschlechtsverkehr beobachtet hatte, zurück.

Nach vier Jahren erfolgloser Behandlung teilte Freud ihm mit, dass er die Behandlung abschliessen wolle. Das wirkte auf den „Wolfsmann“ wie ein Schock, sodass er plötzlich geheilt war.

Bruno Walter

Bruno Walter © Sigmund Freud Privatstiftung
Bruno Walter © Sigmund Freud Privatstiftung

Der Dirigent Bruno Walter konsultierte 1906 Freud wegen eines Krampfes im rechten Arm. Er befürchtete, es sei eine beginnende Lähmung, welche ihn an seiner Arbeit hindern würde. Auf Freuds Anraten, verbrachte Walter einige Zeit im Süden, um sich zu erholen. Nach seiner Rückkehr, hatten sich die Beschwerden nur etwas gebessert. Freud riet ihm trotz allem, nicht mit dem Dirigieren aufzuhören. Bruno Walter hörte auf Freud und begann wieder zu dirigieren. Er absolvierte auch einige Analysestunden.